Frühjahrskonzert 2009


Hohe Musikalität und Engagement Herbertscher Chor aus Höchst konzertierte mit dem Frohsinn Kirrlach

Vor einiger Zeit gab es im Fernsehen eine in weiten Kreisen recht beliebte Sendung "Ich lade gern mir Gäste ein", deren musikalische Qualität weitgehend von der Auswahl der eingeladenen Gäste geprägt war. Das sagten sich auch die Verantwortlichen des "Frohsinn" Kirrlach und luden den Herbertschen Chor aus Höchst im Odenwald zum gemeinsamen Konzertieren ein, ein Chor, der mit seinem Leiter Klaus Georg Müller auf nationaler und internationaler Wettbewerbsebene schon viele Erfolge feiern konnte.

Und da die "Frohsinn"-Chöre mit ihrem musikalischen Leiter Richard Trares als Meisterchor im Badischen Chorverband ebenfalls auf hohem gesanglichen Niveau musizieren, wurden den zahlreichen Konzertbesuchern im sangesbegeisterten Kirrlach in einer breiten Palette von Chorwerken verschiedener Epochen, Stilrichtungen und Sprachen chorische Glanzlichter in mustergültigen Aufführungen geboten, präsentiert von den Gattungen Frauen-, Männer- und gemischter Chor. Überdies bietet ein solches Begegnungskonzert auch einen interessanten Blick über das eigene Umfeld hinaus. Den Reigen der Darbietungen eröffnete der "Frohsinn"-Frauenchor mit inhaltlich, musikalisch und genrehaft recht unterschiedlichen Kompositionen. Da waren zunächst die "Drei Jazz-Motetten" des in Mannheim wirkenden Kirchenmusikers Johannes M. Michel mit Klavier (Richard Trares) und Schlagzeug (Linus Müller), die in jazztypischem Rhythmus, Artikulation und Sound eine überzeugende Aufführung erfuhren, ebenso wie - im Kontrast dazu - das in feierlicher Würde und edler Schönheit interpretierte "Ave Maria" von Luigi Cherubini mit einer überzeugenden, choreigenen Solistin Edna Meyer.

"Adiemus" nennt der walisische Zeitgenosse Karl Jenkins seine Komposition für Frauenchor, Klavier, Schlagzeug und Saxofon (Jascha Trares), bei dem er in einer klang- und lautmalerischen Fantasiesprache eine musikalische Mischung aus modern-populären, impressionistischen und auch ethnischen Elementen zu einem gefälligen Ganzen zusammenbringt. Mit sichtbarer Freude haben die Damen dieses musikalische Sprachspiel gemeistert. Von ganz anderer Art war das für alle Freunde des deutschen Liedes dazwischengefügte Silcher-Lied "Wie lieblich schallt", in seiner schlichten und gemütvoll-heiteren Gestalt sehr beifällig aufgenommen. Auch der "Frohsinn"-Männerchor konnte mit einer ähnlich konzipierten Vortragsfolge seine besondere Qualität und exquisite Singfertigkeit nachhaltig vorstellen. Der einleitende Chor "I will praise" des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Knut Nystedt gab dem Chor ausgiebig Gelegenheit, die hymnischen Phrasen des Werkes kraftvoll und mächtig auszusingen und die lyrischen Passagen meditativ auszukosten, Vorzüge von denen auch der "Lobgesang der Engel" (Sopransolo: Edna Meyer) des Russen Paul Tschesnokow und das Spiritual "All my sins" (Robert Townsend) geprägt waren. Lebensfreude und Ironie versprühte das Shanty "The drummer and the cook" (Robert Shaw) mit Bertram Scholtes als Solist. Die Chorlieder Franz Schuberts sind für jeden Chor Prüfsteine seines Könnens und dies in besonderem Maße sein "Ruhe schönstes Glück der Erde" mit einer Fülle harmonischen Wohlklangs, aber auch kühnen Modulationen - eine überzeugende Interpretation romantischen Chorsingens.
Hohe Musikalität und sängerisches Engagement zeichnen den "Herbertschen Chor" aus Höchst aus. In zwei unterschiedlichen Programmblöcken interpretierte der bestens besetzte Kammerchor zunächst geistliche Chormusik mit zwei "Ave Maria" des Renaissance-Meisters Jakobus Arcadelt und des Zeitgenossen Javier Busto - eine interessante Gegenüberstellung; dazwischen zwei Romantiker: Max Bruch "Herr, schicke was du willst" und von Camille Saint-Saëns der Schlusschor seines Weihnachtsoratoriums "Tollite hostias". Beschaulich begann auch der zweite Auftritt der Gäste mit der durchkomponierten Fassung von "Die Blümelein, sie schlafen" (Jens Röth) und dem bekannten "Signore delle cime" (Beppo de Marzi), um dann über "Shenandoa" (James Erb) mit "Java Jive" (Kirby Shaw), einem Stück bester chorischer Unterhaltungsmusik, ein humorvolles, witzig-heiteres Finale zu setzen. Der Chor überzeugte dabei durch saubere Intonation, rhythmische Sicherheit, Flexibilität, feinsinnig modellierte Dynamik und überdachte Ausdeutung der Komposition.

Rudolf Rolli (Mit freundlicher Genehmigung der BNN)