Erlesene Gesänge zum Ewigkeitssonntag


Kirchenkonzert des „Frohsinn“ Kirrlach mit allen seinen Chören stieß auf große Resonanz

Kirrlach – ein Ort der Meisterchöre. Chöre, die anspruchsvolle Chormusik nachweislich meisterlich darbieten. Laden diese Vereine zu einer konzertanten Präsentation ein, ist die Resonanz immer recht groß, die Besucher wohlwissend, dass ihnen Chorgesang auf hohem Niveau geboten wird, Singen in bester Güte und ausgefeilter Perfektion. So auch dieses Mal wieder, als der „Frohsinn“ Kirrlach zum Kirchenkonzert lud. Die Chorformationen des Vereins mit Frauenchor, Großem und Kleinem Männerchor, Großem und Kleinem Gemischtem Chor spielten, stimmtechnisch bestens vorbereitet, unter der meisterlichen Führung von Dirigent Richard Trares, der auch als Begleiter am Klavier agierte, erneut alle Trümpfe ihres gehobenen Leistungsvermögens aus, ergänzt von Solobeiträgen.
Das Programm beinhaltete geistliche Chormusik verschiedener Epochen und Stilrichtungen und war thematisch auf den Christkönigs- und Ewigkeitssonntag ausgerichtet. Die wunderbaren Chorsätze und Sololieder legten eine ruhevolle Stimmung in den Kirchenraum, breiteten vielfach auch spürbar Lebensfreude aus. Dabei wurde vorzugsweise Chorliteratur von bei uns weniger bekannten Komponisten aus europäischen Nachbarländern aufgeführt. Mit solcher Art Gesängen begann der Kleine Männerchor die Programmfolge, komponiert von dem Estländer Veljo Tormis, dem Litauer Vytautas Miskinis und dem französischen Tonsetzer Francis Poulenc. Der Chor meisterte die Schwierigkeiten dieser anspruchsvollen Musik mühelos und es gelang ihm, mit harmonischer Eleganz, abgestufter Dynamik, rhythmischer Prägnanz und Durchsichtigkeit in der polyphonen Stimmführung den einzelnen Charakterbildern gerecht zu werden.

Mit gleich schöner Stimmkultur brillierte auch der Frauenchor und sang sich bereits mit Schuberts „23. Psalm“ in die Herzen der Zuhörer. Auch das doch andersartige „Salve Regina“ des Spaniers Xavier Busto erfuhr eine authentische Aufführung wie auch die Darbietung des „Nigra sum“ von Pablo Casals, gleichermaßen weltberühmter Cellist und auch Komponist. Nun war die Stunde des Gemischten Kammerchores gekommen. Die Interpretation des Bruckner’schen „Locus iste“ ließ auch die Konzertbesucher sich in die Andacht dieses frommen Beters einfühlen, ebenso auch bei „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré. Zu einer eindringlichen und nachhaltigen Bitte um Frieden wurde das „Agnus Dei“ aus der „Petite Messe solennelle“ von Rossini, wobei Sarah Maria Bahr als Solistin mit großer Stimme und erlesenem Timbre glänzte. Mit ihrem warm strömenden, kraftvollen und auch lyrischen Mezzosopran machte sie überdies zusammen mit dem einfühlsam gestalteten Dialog der von Reinhard Kretschmann gespielten Viola die „Zwei Gesänge“ von Johannes Brahms zu einem Hörerlebnis, zu einer eindringlich gestalteten Interpretation.
Einen weiteren Höhepunkt setzte der Große Männerchor, der mit hervorragender Gesangstechnik und Ausdrucksstärke so gegensätzliche Chorlieder wie Willy Sendts „Morgenlied“ und Schuberts „Im Abendrot“ zum Klingen brachte. Eine musikalische Herausforderung, auch für die Zuhörer, stellen zweifellos das „Jubilate Deo“ des zeitgenössischen Ungarn Laszlo Halmos und die beiden Hymnen, in Englisch gesungen, des Norwegers Knut Nystedt dar, eine Aufgabe, die der Chor mit erstaunlichem Interpretationsgespür meisterte. Zum Finale sang der Große Gemischte Chor ein „Alleluja“ des Amerikaners Randall Thompson, wobei sich ständig verflechtende Gesangslinien zu einem raumfüllenden Fortissimo fortspinnen und am Ende im Piano zu Meditation und Besinnung anleiten. Für den überaus herzlichen, lang anhaltenden Beifall bedankte sich der Chor mit Josef Rheinbergers sechsstimmigem „Abendlied“.

Rudolf Rolli (Mit freundlicher Genehmigung der BNN)