Präzision im Detail in glockenreiner Intonation


Muttertagskonzert des Frohsinn Kirrlach wurde dankbar aufgenommenes Maigeschenk

In der Tat: das traditionell zum Muttertag aufbereitete Konzert des Frohsinn Kirrlach war erwartungsgemäß ein dankbar aufgenommenes Maigeschenk, als farbenfroher Blumenstrauß den zahlreichen Besuchern präsentiert; ein Blumenstrauß, nicht von willkürlicher Buntheit, eher als eine Verbeugung vor der amourösen Seite des Frühlings mit der ihm eigenen Ausprägung von Liebe, Lust und Leid, gebunden in einer sich in thematischer Einheit zusammenfindenden Vielfalt und Vitalität musikalischer Aussagen und Inhalte und dargeboten in gepflegtem Chorgesang. Dabei verzichtete der Veranstalter bewusst auf die große Besetzung des gemischten Chores und stellte mit dem Frauenchor und den Männerchorformationen Ensembles von besonderer Qualität vor, die mit dichtem und dennoch schlankem Klang sangen, mit frischer Intensität und Energie, wunderbar nuancenreich und mit stets präsenter Akkuratesse. Ebenso fehlte ein solistisches Beiprogramm, wobei allerdings das Klavierintermezzo von Chorleiter Richard Trares mit der virtuosen „Polacca brillante“ von C. M. von Weber mit überschwänglichem Beifall angenommen wurde. Die Programmfolge eröffnete der Männerchor und stellte mit Chorliedern von Silcher („Frisch gesungen“), Janacek („Die wahre Liebe“) und Mendelssohn-Bartholdy („Gruß“ und „Wasserfahrt“) den Frühling und die Liebe in all ihren Schattierungen vor: von einfacher Klarheit und liebenswürdiger Eindringlichkeit, vom rhythmischen Fließen einer schwermütigen Naturstimmung bis zum fast hymnischen Klang einer Liebesbezeugung, wobei der Chor den unterschiedlichen Interpretationsansprüchen voll gerecht wurde.

Der Frauenchor konnte aufs Neue mit allem Nachdruck auf sich aufmerksam machen. Das war Chorsingen von ausgesprochen hoher Güte und ausgefeilter Perfektion, dazu Präzision im Detail und dies in glockenreiner Intonation. Mit beachtlicher Gestaltungs- und Ausdruckskraft und differenzierter Dynamik sangen die Damen zunächst zwei eher volksliedhaft erfundene Chorlieder von Robert Schumann, denen sie die Menrath’sche Bearbeitung von „O, du schöner Rosengarten“ folgen ließen. Auch die Darbietung der folgenden etwas anders gearteten Lieder von Pablo Casals und Leonhard Cohen waren in ihrer Interpretation und klanglicher Homogenität und natürlichem Schöngesang geprägt, teils andächtig-verhalten, teils jubelnd-volltönend.

Einen stilistischen Kontrapunkt setzte dann der Männerkammerchor mit seinem Ausflug in die Pop-Musik und ließ die Stileigenheiten dieses Genres in Rhythmus, Harmonik, Ausdruck, Gestaltung und Textdeutung Klang werden. Mit spürbarer Selbstverständlichkeit, wobei der choreigene Solist Rudolf Pitz wesentlich mit dazu beitrug, vermittelten die Herren die musikalische und textliche Botschaft von „For the longest time“, „Love me tender“ und „Katrin“ von den Bläck Fööss den recht frohgestimmt lauschenden Zuhörern. Im Finalblock nahm der Männerchor die Thematik des Konzertbeginns mit zwei deutschen Volksliedern wieder auf, allerdings jetzt in recht anspruchsvollen, durchkomponierten Bearbeitungen. Das abschließende finnische „Spottlied“ und der furiose Hexentanz der „Walpurgisnacht“ gaben dem Chor nochmals Gelegenheit, sein überragendes Können aussingen zu können. Stehende Ovationen waren der Dank der begeisterten Zuhörer. Mit zwei Zugaben gaben die Akteure diesen Dank zurück und beendeten so ein Konzert der wohl besonderen Art. Mit viel Sachkenntnis und auch Humor agierte Klaus Müller als versierter Moderator.

Rudolf Rolli (Mit freundlicher Genehmigung der BNN)


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