Schubertiade


Besonderer Liederabend beim Frohsinn Kirrlach

Wenn ein Meisterchor des Badischen Chorverbandes einlädt, sein Konzert mit Franz Schubert einem Komponisten widmet, den Picasso ein „musikalisches Wunder“ nannte, und er die Programmfolge unter den Titel „Schubertiade“ stellt, eine Anlehnung an jenen erlauchten, hochmusikalischen Freundeskreis Schuberts, so darf man schon Besonderes erwarten. Und in der Tat: das vielzählige Publikum wurde nicht enttäuscht. Es durfte ein Erlebnis der eigenen Art genießen. Schon beim Lesen des Programms war klar, dass den Besuchern eine Darbietungsfolge von harmonischem und geschlossenem Zuschnitt, ein Konzert von gehobenem Niveau geboten wird. Chorleiter Richard Trares hatte dafür ein musikalisches Gesamtkonzept zusammengestellt, dessen Umsetzung eine enorme Herausforderung für die verschiedenen Chorgattungen des Vereins darstellte.

Der bestens aufgestellte, durch und durch homogen besetzte Frohsinn-Männerchor eröffnete die Vortragsfolge mit zwei gegensätzlich erfundenen Chorwerken, mit dem heiteren „Wein und Liebe“, ebenso heiter und frisch gesungen, und dem beschaulichen, kühn harmonisierten „Ruhe, schönstes Glück der Erde“, ganz auf Klangschönheit und schwingender Bogenweite angelegt.

Schubert ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Liederkomponisten. Aus seinem überaus reichen Schaffen wählte das Duo Maria Karb (Sopran) und Andrew Connor (Klavier) mit „Die Forelle“, „Liebhaber in allen Gestalten“ und „Alinde“ drei bekannte Weisen aus. Dabei sang die Sopranistin in ausgereifter Technik und mit hoher Reflexion des Liedtextes und der Pianist setzte in charakterisierender Bewegung die Situation und den Inhalt des Liedes, manchmal etwas führend, in Töne um. Bei dem etwas ausladenden „Der Hirt auf dem Felsen“ gesellte sich zu den beiden noch Yannick Trares mit seinem romantisch warmen Klarinettenspiel hinzu.
Schubert schrieb die meisten seiner mehrstimmigen Gesänge für kleinere Besetzungen. Dieses Genres nahm sich der Männerkammerchor an, ein Ensemble, das mit innerem Engagement singt, dabei nicht nur der schönen Klänge wegen, sondern auch um der Inhalte des Gesungenen willen musizierend. So bei den A-capella-Chören „La Pastorella“ und „Räuberlied“ und dem bekannten „Gondelfahrer“ in harmonischem Zusammenspiel mit dem den Ruderschlag des Gondolieres darstellenden Klavierrhythmus. Sehr versonnen und klanglich behutsam gelang „Grab und Mond“. Zu einem Ohrenschmaus ist die „Nachthelle“ geworden; diesmal mit Maria Karb am Klavier und Andrew Connor als Tenor-Solist.

In die Reihe meisterlicher Chordarbietungen reihte sich auch der Frauenchor ein mit dem reizvollen „Ständchen“ mit Maria Karb als Solistin und überzeugte mit einer beschwingten, klangfrohen und bewussten sprachrhythmischen Gestaltung. Ergänzt wurde der Vortrag durch Cherubinis elegisch gefärbtes „Ave Maria“ mit der choreigenen, überzeugenden Solistin Edna Meyer und der „Mondnacht“ des wenig bekannten Alexis Hollaender.
Auch der Instrumentalkomponist war ins Programm eingebunden. Aus seinen Impromptus, Kostbarkeiten der Klavierliteratur, spielte Richard Trares das in As-Dur und ließ die das Stück prägenden Akkordbrechungen meisterlich perlen. Das Finale gestaltete der Frohsinn-Männerchor, der damit ein Konzert der Sonderklasse beendete. Da war zunächst der in lockerer Sprachfertigkeit interpretierte „Geistertanz“, dann das schon fast volkstümliche Chorlied „Die Nacht“ und schließlich geradezu als Hymne an die Herrlichkeit und Majestät des Waldes, der „Nachtgesang im Walde“, meisterlich interpretiert. Dankbar aufgenommen wurde auch die Moderation von Bertram Scholtes, der mit vielen interessanten Zusatzinformationen den Programminhalt bereicherte.

Rudolf Rolli (Mit freundlicher Genehmigung der BNN)


Schubertiade 2009